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Auf nach Kaliningrad

Samstag,  23. Juni

Teil 1    -   Erneute Einreise in die Russische Föderation

 

Nachdem wir nun schon zwei Wochen lang schönes sommerliches Wetter hatten, geht heute Nacht und auch heute Morgen kurz vor der Weiterfahrt ein heftiges Gewitter auf uns nieder, so dass wir erst einmal ruhig abwarten müssen. Bei solch einem Wetter schickt man doch keinen Hund vor die Tür, geschweige denn den Ehemann, um das Stromkabel aufzurollen.  Sogar ein kräftiger Hagelschauer ist dabei und lässt uns im Womo abwarten.  Irgendwann jedoch, bei Nieselregen, packen wir zusammen und manöverieren das Womo zwischen Kiefernbäumen zur Entsorgungsstation, und da passiert es:  mit dem rechten Heck touchiert der Carthago einen Baum – ratsch!  Es mag vielleicht nur ein Zentimeter gewesen sein, aber  der reicht, um die Kunststoffummantelung einzudrücken.  Ärgerlich, sehr ärgerlich und wahrscheinlich auch nicht billig!  

 

 

Heute Nachmittag müssen wir um 17:00h in Kaliningrad im FIFA Ticket Center sein, um unsere Reservierung gegen das Originalticket einzutauschen. Mal schauen, wie das abläuft!

 

Die Grenze auf der Nehrung ist nur  einen Km vom Camping entfernt, und wir sind momentan das einzige Fahrzeug. Der litauische Grenzer grüßt freundlich, lässt sich Pässe und KFZ-Schein zeigen, und nach drei Minuten sind wir durch. Toll!  Auch am russischen Zoll sind wir das einzige Fahrzeug – das geht ja heute richtig schnell  (so die Hoffnung).   Immer der gleiche Ablauf:  zuerst zur Passkontrolle, Pässe, FAN-ID, Autopapiere.  Alle Daten werden in den Rechner eingegeben, um die Migrationskarte auszudrucken -  das dauert.  Christina erhält ihre Papiere zurück, bei Dieter gibt es, so der  Grenzbeamte, ein Problem.  Im Pass steht (logischerweise) Dieters zweiter Vorname, auf der FAN-ID jedoch nur der erste Vorname. Wir müssten  unbedingt zur FAN-ID  Ausgabe in Kaliningrad, um das ändern zu lassen. Nun ja,  da können wir ja nichts zu, der junge Beamte soll das noch einmal abklären. Wahrscheinlich telefoniert er mit der FAN-ID Ausgabestelle, denn  nach 20 Minuten erhalten wir eine SMS, dass die FAN-ID akzeptiert wird – geht doch!

 

Aber auch heute haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der Wirt  ist erneut der Zoll!

 

Dieter hat schon auf dem Campingplatz die Zollformulare in aller Ruhe ausgefüllt, genau nach dem Muster der ersten Einreise von Helsinki aus. Aber irgendetwas scheint trotzdem nicht zu passen, was genau, finden wir nicht heraus, also erneut ausfüllen. Zurück ins Womo, Formulare für Womo und Roller ausfüllen. Wieder hinaus zum Zollhäuschen  (20 Meter von der Passkontrolle entfernt), jedes Formular wurde nur einfach ausgefüllt, es muss unbedingt zweifach sein!  „Dann hätten Sie uns doch sofort alle entsprechenden  Formulare geben können!“  Patzige Antworten  mag der Zöllner nicht. Also zurück zum Womo, Zweitformulare ausfüllen. Wieder  zurück zum Zollhäuschen. Warten!  Und dann beginnt der Sketch:  „Geben Sie mir Ihren Kugelschreiber“, sagt der Zöllner. Ручка     „Ich habe keinen Kugelschreiber!     Ручка   Ich zucke mit den Achseln und deute auf die Beamtin, die einen Kugelschreiber in der Hand hält.  „Ich habe keinen Kugelschreiber.“   „Black Ручка   Er möchte einen schwarzen Kugelschreiber?  „Go back and wait in the car!“  Also zurück zum Womo und warten.  Wie deuten wir die Situation als ehemalige Lehrer?   „Stell dich in die Ecke!  Schäm´ dich und denke über Dein  Fehlverhalten nach!“  Dreißig Minuten lang passiert Nichts, wohlgemerkt, wir sind das einzige einreisende Fahrzeug.   Irgendwann mischt sich der Passkontrolleur ein, warum wir immer noch da seien?  Schulterzucken.  Dann erscheint endlich erneut der Zollkontrolleur, kommt ans Auto, „Black Ручка  Ja, er möchte den Kugelschreiber haben, mit dem Dieter die Zollformulare ausgefüllt hat.  (Auf solch eine Idee muss man erst einmal kommen)  Und wozu braucht er den schwarzen Kugelschreiber?  Auf den von Dieter ausgefüllten Formularen fehlen jeweils ein Kreuzchen! Respekt – auf solch eine Idee muss man wirklich erst einmal kommen.  Für diese vier Kreuzchen in schwarzer Farbe haben wir knapp eine Stunde gewartet.

 

 Nun noch das schon bekannte Prozedere, Zöllnerin mit Spiegel am Selfie-Stick untersucht das Womo, Unterboden, Motor, Christina muss aussteigen, damit die Sitze kontrolliert werden können, Innenraum mit allen Schränken.  Dann endlich ist es soweit:     Добро Пожаловать в Россию!    Herzlich Willkommen in Russland.

 

Teil 2   -   Ankunft in Kaliningrad

Dreißig Kilometer auf der russischen Seite der Kurischen Nehrung, weitere zwanzig Kilometer bis nach Kaliningrad.  Wohin zuerst?  Fahren wir zuerst zu der angegebenen FAN-ID Adresse in die Innenstadt, um das Ticket abzuholen. Das Navi findet die Adresse nicht, sie existiert an dieser Stelle auch gar nicht mehr, wie wir später erfahren. Etwas hilflos stehen wir in Hafennähe am Straßenrand und beratschlagen. Ein Auto mit Taxi-Schild auf dem Dach hält an und lotst uns auf einen Parkplatz am Ozeanmuseum, wo wir sicher stehen können. Wir erklären unser Problem, Taxifahrer Dimitri bietet eine Lösung an.  Er fährt uns mit seinem Auto in die Innenstadt zur Ticketausgabe und bringt uns wieder zurück zum Womo.

 

Gesagt – getan.  „Dimi“, so nennen wir ihn, fährt wie der Henker, anschnallen braucht man nicht und während der Fahrt telefonieren ist hier auch üblich. Dimi begleitet uns zur Ticketausgabe und „managt“ die Sitution für uns.  Dimi bringt uns halsbrecherisch sicher zurück zum Womo. Wir wollen nun zum „Hotel Baltica“, das, laut Reiseberichten, einen Stellplatz / Parkplatz für Wohnmobile aufweist.  Dimi bietet an, vorauszufahren und uns den Weg zu zeigen.  Am Hotel Baltica  (nach ca. 10 km) begleitet er uns zur Rezeption. An der Rezeption arbeitet „Tatjana“. Ja, Stellplatz ist vorhanden, kostet 3500 rb pro Nacht.  50€  pro Nacht für einen simplen Parkplatz hinter einem Hotel? Tatjana, das kann doch nicht wahr sein, das ist ja mehr als Wucher. Tatjana lächelt, zuckt mit den Schultern, es seien eben besondere Zeiten während der WM.   Nein, 50€ bezahlen wir nicht – findet Dimi auch.

 

Was tun?  Dimi hat die Lösung, er kennt einen „Camping / Motel“ nur ca. 500 Meter weiter, ebenfalls am See. Abgemacht!  Diese Anlage ist, schlicht gesagt, sehr, sehr gewöhnungsbedürftig, aber hier können wir sicher stehen.  Dimi klärt für uns an der „Administrazia“ den Übernachtungspreis. Wie geht es weiter?   Wir verabreden, dass Dimi uns morgen um 12:00h hier zur Stadtbesichtigung abholt.  Christina und Dieter  trinken erst einmal einen Aufmunterungssekt und freuen sich auf das Deutschlandspiel!