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Erfurt - Landeshaupstadt / Domstadt

Heute kommt der Motorroller zum Einsatz - schon oft hat er uns bei Stadtbesichtigungen gute Dienste gleistet. Wir hätten auch gut mit der Straßenbahn fahren können - Haltestelle direkt am Parkplatz - , aber mit dem Roller sind wir einfach flexibler. Vier Kilometer sind es zur Altstadt von Erfurt.  Geparkt wird am Anger, einer der Hauptgeschäftsstraßen, vor der Kaufmannskirche (im 11. Jahrhundert von friesischen Kaufleuten gegründet). Wer hat in dieser Kirche mehrfach gepredigt? Natürlich Martin Luther - daher auch das Luther Denkmal vor der Kirche. 

Der erste Weg führt über die Rathausbrücke zur Tourist Information am Benediktsplatz, wo heftig renoviert, gebaut, neu gepflastert wird.

Mit Stadtplan und informativer Broschüre bewaffnet ziehen wir weiter. Alle folgenden Informationen sind dieser Broschüre "Historischer Stadtrundgang", Hrsg. Tourismus & Marketing, entnommen.

Nach wenigen Metern kommen wir zum Fischmarkt mit Rathaus. Das neugotische Rathaus ist coronabedingt nicht zu besichtigen, die Fassade allein ist jedoch schon beeindruckend. 

Nicht minder beeindruckend der Fischmarkt insgesamt, der Mittelpunkt der Stadt. Zahlreiche Bürgerhäuser zieren diesen Platz, z.B. das Haus Nr. 7  "Zum roten Ochsen". Ein besonderes Fotomotiv ist die Renaissancefassade des Hauses "Zum breiten Herd" mit den Brüstungsplatten, die die fünf Sinne symbolisieren.

Nebenan, am Gildehaus, werden auf den Brüstungsplatten die vier Haupttugenden Gerechtigkeit, Klugheit, Mut und Mäßigung gezeigt.

Den Mittelpunkt des Platzes bildet eine Säule mit der Darstellung eines Kriegers.

 

Am Fischmarkt biegen wir in die Predigerstraße ab, die uns zur gleichnamigen Predigerkirche des Dominikanerordens bringt.

Durch verwinkelte Kopfsteinpflastergassen - "Kleine Arche, Große Arche, Mettengasse" -   gelangen wir  zum "Haus zum Sonnenborn", ein liebevoll restauriertes Gebäude aus dem Jahr 1536. Heute dient es als Standesamt.

Gleich nebenan, vorbei an einem Märchenbrunnen mit den Bremer Stadtmusikanten, erwartet uns der Waidspeicher. Heute ein Puppentheater - früher ein Lagerhaus.  Waid?  Was ist das - nie gehört.  Unser Stadtführer schreibt Folgendes:

"...Hier wurde früher aus der Waidpflanze blauer Textil-Farbstoff gewonnen. Seit dem 13. Jahrhundert hat man im Thüringer Becken Waid angebaut und nach der Ernte hauptsächlich nach Erfurt verkauft. Die getrockneten Blätter wurden mit Wasser und Urin begossen und zur Gärung gebracht. Nach dem monatelangen Reifeprozess der Waidfarbe konnten die Waidhändler halb Europa mit dem fertigen Farbpulver beliefern.  Bis etwas 1600 flossen durch den Waidhandel jährlich ca. drei Tonnen Gold nach Thüringen und machten die Region zu einer der reichsten in Mitteleuropa. Durch den Import von Indigofarbstoff brach der Thüringer Waidhandel innerhalb weniger Jahrzehnte zusammen. ..."

Unsere Besichtigungstour ist längst nicht zuende! Nur hundert Meter weiter öffnet sich uns ein rieser Platz - der Domplatz mit dem alles überragenden Dom zu Erfurt, dem Mariendom, zu dem 70 Stufen hinauf führen. Gleich nebenan die ebenfalls katholische St. Severi Kirche

Ein Obelisk, der an den Besuch des Mainzer Erzbischofs im Jahr 1777 erinnert, sowie der Marktbrunnen zieren diesen Platz. Begrenzt wird er, wie beschrieben, durch den Domhügel, sowie das im gotischen Stil erbaute Gerichtsgebäude und zahlreiche Wohnhäuser in historischer Bebauung.

Die vielen Gassen der Erfurter Altstadt  mit ihren Bürgerhäusern, alles aus dem 16. Jahrhundert, beeindrucken uns. Wir können gar nicht überall stehen bleiben und Fotos machen. Markt, Allerheiligenstraße, Michaelisstraße - und jedes Haus erzählt eine Geschichte. Eine der Hauptattraktionen, das Wahrzeichen, so steht es in jedem Reiseführer, ist die Krämerbrücke. Es ist die längste durchgehend mit Häusern bebaute und bewohnte Brücke Europas.

Weiter führt unser Weg, über den Wenigemarkt zur Futterstraße. Hier fällt die Fassage des Kaisersaales auf, dem alten Universitätsballhaus. Schillers  "Don Carlos" erfuhr hier 1791 seine Uraufführung. Napoleon und Zar Alexander I.  trafen sich zu Konsultationen.  Liszt, Paganini gaben hier Konzerte.  Und die Politik? Das Erfurter Programm der SPD fand hier ihren Ursprung.

Der Stadtrundgang ist fast beendet. In der Johannesstraße, wo der Roller geparkt ist, bestaunen wir noch die spätgotischen Häuser "Zum Mohrenkopf"  und "Zum Stockfisch", in dem heute das Museum für Stadtgeschichte untergebracht ist. 

Sind wir mittlerweile müde und erschöpft?  Natürlich!  Aber wir haben ja den Motorroller, und der bringt uns zum Augustinerkloster. Und schon sind wir wieder auf den Spuren Martin Luthers, der hier 1505 bis 1511 als Mönch lebte. Hier wurde Kirchengeschichte geschrieben.

Abschließend, quasi auf dem Rückweg zum Wohnmobil, steuern wir den Roller hoch zur Zitadelle Petersberg. Viel betrachten können wir nicht, denn der Petersberg ist momentan eine Baustelle für die Bundesgartenschau im kommenden Jahr.

Viele Fotos können wir auch nicht machen, der der Akku von Dieters Kamera ist mittlerweile leer. Es bleibt lediglich der Ortswechsel nach Weimar, das nur ca. 30 km entfernt ist. Der Wohnmobilplatz ist schon recht stark frequentiert, wir sind froh, einen der letzten Plätze zu erhaschen und den Abend bei einem erfrischenden Kaltgetränk ausklingen  lassen zu können.