Mit dem Wonmobil in die Russische Föderation

Anfang Mai

Die Vorbereitungen der Reise sind fast abgeschlossen. Das, was wir Anfang des Jahres angedacht haben, wird immer konkreter: vier Wochen lang wollen wir die Russische Föderation bereisen, erkunden, zumindest ansatzweise kennenlernen.

 

Die Fähre Travemünde - Helsinki ist gebucht. Natürlich wollen wir die finnische Hauptstadt auch zwei - drei Tage lang besichtigen. Dann aber hinüber auf die russische Seite, über Wyborg nach St. Petersburg.

Anschließend soll Moskau, das östlichste Ziele der Reise, vier bis fünf Tage lang erkundet werden.

In einer Schleife werden wir über Lettland mit der Jugendstilpracht Riga, Litauen mit der Kurischen Nehrung erneut nach Russland einreisen, Kaliningrad, das ehemalige Königsberg, ist das Ziel. Zwar haben wir zur Heimat unserer Eltern / Großeltern keine Beziehung, aber interessant wird ein Besuch sicherlich sein, zumal wir Karten für das WM-Spiel Spanien vs. Marokko in Kaliningrad ergattern konnten.

 

Mitte Mai

Die FAN-ID trifft ein.   FAN-ID?  Was ist das?

Nun, es ist der "Pass", das Dokument, das zusätzlich zum WM-Ticket zum Eintritt in das Stadion berechtigt. Wir reden hier also von personalisierten Eintrittskarten.

Was macht die FAN-ID so wertvoll? Sie ermöglicht den mehrfachen Eintritt in die Russische Föderation, ersetzt quasi das Visum.

 

Im Internet haben wir u.a. auf folgenden Seten zahlreiche, hilfreiche, wervolle Informationen über Wohnmobilreisen in die Russische Föderation gefunden:

 

 https://mabriblog.wordpress.com

 https://www.baikalsprinter.de

 https://ast-fg.de/

 https://www.rhein-wolga.info/

 

 Darüber hinaus gibt es natürlich diverse Webseiten. die  landeskundliche Informationen Informationen enthalten.  U.a.:

 

 https://russlande.de

 https://de.rbth.com

 https://www.russlandjournal.de

 


Anfang Juni

Nun dauert es nicht mehr lange! 

Zahlreiche Vorbereitungen sind schon erledigt und ein  Aktenordner mit wichtigen Dokumenten angelegt:

-  Reisepässe

- FAN-ID, 

- Kopien der Pässe, KFZ-Schein

- Fährticket.

- Bescheinigung ADAC über Auslandskrankenversicherung

- Bescheinigung der KFZ-Versicherung über Gültigkeit in RUS

- Bescheinigung der  Roller-Versicherung über Gültigkeit in RUS

 

Ein weiter Ordner mit Arbeitsblättern mit diversen Themen  zur Russischen Sprache befindet sich noch in Arbeit:

- Höflichkeitsfloskeln wie "Bitte", Danke", "Entschuldigung"

- nach dem Weg fragen

- im Restaurant die Speisenkarte lesen und verstehen / Essen bestellen

- Tanken

- Tickets in Museeen, Theater, etc   bestellen

 

Das Navi hat ein Update erfahren und ist um Daten für Osteuropa erweitert.

 

Was fehlt noch  bzw. wird in RUS gekauft?  

- Straßenkarte jüngeren Datums

- Sim Karten für den mobilen Router und das Smartphone

- Russische Währung für die ersten Tage

 

 

Sonntag, 3. Juni  - Mittwoch, 6. Juni

Nachdem gestern am Samstag die letzten Vorbereitungen getroffen,  das Wohnmobil vollständig gepackt, mit den Nachbarn die Haus- und Katzenbetreung geregelt wurden, kann es heute Morgen losgehen:  die Wohnmobilreise in die Russische Föderation.

Nach dem gestrigen grausamen Testspiel gegen Österreich  müssen wir definitiv nach Moskau, um Yogi Löw mental und taktisch zur Seite stehen.

Das Navi zeigt 430 km bis Lübeck-Travemünde an, führt uns über die A2 nach Hannover, dann gen Norden zur A7, an Hamburg vorbei, bis wir schließlich am frühen Nachmittag Travemünde erreichen.  Bis zum Check-In  haben wir noch viel Zeit, so dass wir erst einmal  direkt nach Travemünde und nicht zum Terminal fahren, um am Hafen zu promenieren und die steifen Beine vertreten. Hier reiht sich Restaurant an Restaurant, diverse Fischbuden locken mit den entsprechenden Köstlichkeiten und auch die zahlreichen Boutiquen machen Travemünde zu einem Touristenziel. Bei einem Gläschen Wein genießen wir das maritime Flair und erfreuen uns des ersten Urlaubstages.

Eine kleine Auto- und Personenfähre bringt die Menschen auf andere Hafenseite, auf den „Priwall“, wo  das  Viermastsegelschiff „Passat“ schon seit Jahren vor Anker liegt.

Wir sind schon etwas aufgeregt, ob auch alles klappt, ob wir den richtigen Terminal finden, ob ….  dies und das.  Aber letztendlich läuft alles so, wie geplant.  Gegen 20:00h erreichen wir den Terminal von „Finnlines“ am Skandinavienkai, reihen uns in die Warteschlange ein und harren der Dinge.  Pünktlich um 20:30h beginnt der Check-In, wir erhalten unsere Tickets, die Voucher für das Restaurant, Aufkleber für das Womo  und dann beginnt das Warten.  Die „Finnlady“,  die  heute Nacht um 03:00h ablegen soll, läuft erst gegen 21:00h in den Hafen ein.  LKW um LKW, Container um Container und Wohnmobil um Wohnmobil verlassen den riesigen Bauch des Schiffes, bevor wir dann zum Boarden an der Reihe sind.  Kurz vor Mitternacht werden wir eingewiesen, an Strom angeschlossen, und dann ist es geschafft – wir beziehen die Kabine. Groß, geräumig, Dusche und WC, TV und Kühlschrank, was wollen wir mehr?  Noch ein kleiner „Absacker“ und dann fallen wir müde gegen 01:00h ins Bett. Von der Abfahrt der „Finnlady“ bekommen wir nichts mit.

Montag, 4. Juni

Ein Tag auf (hoher) See!

Vom Ablegen des  Schiffes um 03:00h haben wir nichts mitbekommen. Die See ist ruhig, das Summen der  Motoren kaum zu merken. Es wird schon früh hell, so gegen 05:00h, aber man kann sich ja noch einmal umdrehen und die Decke über den Kopf ziehen.

Übrigens, zusätzlich zur reinen Überfahrt haben wir auch die Verpflegung an Bord gebucht - also ab zum Frühstücksbuffet! Welch eine Auswahl, wie reichhaltig, natürlich mit viel Fisch schon am frühen Morgen. Das Interessante an diesem Buffet ist, dass es sich bis 13.00h hinzieht und zu einem Brunchbuffet wird. Dementsprechend gehen wir gegen 12:00h wiederum an den reich gedeckten Tisch.

Was passiert heute sonst noch?  Eigentlich nicht viel, die "Finnlady" mit ihren zahlreichen Decks ist alsbald erkundet und wir verbringen die meiste Zeit des Tages auf dem Sonnendeck - es ist erstaunlich warm und windstill. Der Helsinki - Reiseführer bereitet uns auf den morgigen ersten Erkundungstag vor, es ist auch nicht weit zur Bar, wo ein  gezapftes finnisches Lager-Bier Erfrischung bringt.

Im Folgenden einige Bilder vom Deck:

Die Krönung des Tages:  das "Superior Evening Meal"!  Eine unglaubliche Auswahl an Fisch- und Fleischvariationen, diverse Salate, die Diät fördernde Dessertauswahl.  Rentiersteak steht ab nun auch auf unserem Speisenzettel!

Achja - Sonnenuntergang!  Ein riesiger Feuerball gegen 23:00h! 

Was habe ich noch vergessen?   Die Zeitumstellung - für Finnland die Uhr wird um 1 Stunde vorgestellt.

Dienstag, 5. Juni

Pünktlich um 09:00h morgens erreichen wir unser Ziel. Wir laufen in den Hafen von Helsinki ein, freuen uns schon auf unser Wohnmobil   und sind dann (nach einer Gruppe von Radfahrern) die Ersten, die vom Geleitfahrzeug zum Zoll /  zur Passkontrolle geführt werden. Niemand hält uns an, niemand möchte unseren Ausweis sehen und deshalb stehen wir nach weiteren fünf Kilometern auf dem 5* "Camping Rastila".

Jetzt also erst einmal etwas Schlaf nachholen und später mit dem Roller Helsinki erkunden.

Am frühen Nachmittag dann der Aufbruch zur ersten Stadterkundung. Der Roller wird startklar gemacht und die wenigen Km zum Zentrum sind rasch bewältigt. Im Dumant Reiseführer ist die Rede vom "Bauch der Stadt", gemeint ist der Marktplatz am Hafen, "Kauppatori".  Hier stellen wir den Roller ab und spazieren entlang der Buden. Obst und Gemüse, heimische kulinarische Köstlichkeiten und natürlich Souvenirs sind hier zu erhalten.  Nur wenige Schritte sind es zum Senatsplatz mit dem Bronzestandbild  des Zaren Alexander II.  im Mittelpunkt. Oberhalb des Senatsplatzes thront ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, die lutherische Domkirche. Der Reiseführer schreibt, sie sei das meist fotografierte Gebäude des Landes.  Gegenüber des Domes lädt die Staatsbibliothek zum Bewundern ein! Eine Bibliothek, wie man sie aus zahlreichen historischen Filmen zu kennen scheint.

Zurück zum Marktplatz, einmal durch die Markthallen, wo sich Christina für ein leckeres Eis entscheidet,  schlendern. Und dann, draußen am Hafen passiert es:  der ÜBERFALL!  Von hinten kommend, im Sturzflug, schlägt eine gierige Möwe Christina das Eis aus der Hand!  Naja ... ein leichter Schock, aber davon geht die Welt nicht unter.  Also weiter zum nächsten Ziel, der größten russisch-orthodoxen Kirche Nordeuropas, der Upenski-Kathedrale.    

Nieselregen setzt ein, der eh schon starke Wind wird noch stärker und kälter, also beschließen wir, zum Womo zurückzukehren. Die Heizung leistet gute Dienste und der Abend klingt mit Spaghetti Bolognese und einem Glas Rotwein aus.

Mittwoch, 6. Juni,                   Helsinki,  Tag 2

 

Nachdem wir gestern eine "grobe"  Stadterkundung vorgenommen haben, erfolgt heute das "Abarbeiten" der Sehenswürdigleiten, der Highlights von Helsinki.

Gegen 11:00h sind wir startklar, haben gefrühstückt und  abgewaschen, den Reiseführer eingepackt und den Roller Richtung Domkirche programmiert.  Warum wieder die Domkirche?  Dort waren wir doch gestern schon. Naja,  Christina war aufmerksam und hat festgestellt, dass heute um 12:00h die Probe für ein Orgelkonzert stattfindet. Welch ein imposanter, emotionaler Start in den Tag bei Ruhe und Andacht in der Kirche.  Denn draußen, auf dem Senatsplatz, tummeln sich die Reisebusse, drängeln sich die Reisegruppen  (vor allem aus dem asiatischen Raum - zu erkennen an den unzählichen Selfie-Sticks).

Nach dem Konzert noch einige Bilder von der Bronzestatue Alexanders II., bevor wir entlang des Regierungspalastes, dann erneut über den Marktplatz und anschließend über  die Flaniermeile "Esplanade" spazieren.

Der Roller bringt uns weiter zu dem nur 1 km entfernten Hauptbahnhof der Stadt.  Einer der größten Kopfbahnhöfe Europas soll ein archtektonisches Kleinod sein, mit dem Eingangsportal und den Türornamenten.

Weiter geht die Besichtigungstour - zu Skandinaviens ältestem und größtem Kaufhaus, "Stockmann". Es kann sich durchaus messen mit "Harrods" in London oder "La Fayette" in Paris.

Zwei weitere Highlights stehen noch auf dem Programm! Man darf Helsinki nicht verlassen, ohne die sog. "Tempelkirche" besichtigt zu haben. In den Fels gehauen, gesprengt, schlicht aber gerade deswegen beeindruckend - mit einer unbeschreiblichen Akustik. Kein Wunder, dass dieser Ort nicht nur als Kirche, sondern auch als Konzertsaal genutzt wird.

Es ist schon später Nachmittag, die Beine werden müde, die Aufmerksamkeit lässt  allmählich nach und daher suchen wir abschließend noch einen weiteren ruhigen, entspannenden Ort auf:  das Sibelius-Denkmal. Sibelius?  Ja - der finnische Komponist!  Unzählige Bronze-Röhren, die an Orgelpfeifen erninnern, bieten ein erstaunliches Bild.  Unweit dieser Installation befindet sich eines des ältesten Cafes, berühmt für seine ofenwarme Zimtschnecken.


Übernachtung:   Rastila Camping Helsinki                                                                                                                     V + E + Strom

                                www.hel.fi/rastila                                                                                                                                 Gebühr:  37 €  pro Nacht

                                                                                                                                                                                                gef. km:   451


Donnerstag, 7. Juni   -   Montag, 11. Juni

Von Helsinki nach St. Petersburg

 

Nach zwei Tagen Helsinki geht heute die Reise weiter ins das eigentliche Ziel. Das Navi weist 370 km bis St. Petersburg aus, vielleicht fahren wir auch nur eine kurze Etappe bis nach Vyborg. Mal schauen, wo wir landen.

Wir landen in Vyborg am späten Nachmittag. 

Aber alles der Reihe nach, erst einmal einige Bemerkungen zu Helsinki:  Die zwei Tage intensiver Stadterkundung haben uns äußerst gut gefallen. Wir haben soo viel gesehen, soo viele Eindrücke gewonnen und die Zeit richtig genossen. Helsinki ist richtig schön!  Helsinki wäre noch viel schöner, wenn es doch nur fünf  (5) Grad wärmer und weniger windig wäre.

Und nun zu unserer Tagesfahrt.  Gegen 10:00h verlassen wir den Campingplatz, sind kurz darauf auf der Autobahn und steuern nach ca. 100km einen Parkplatz für das Frühstück an. Wir sind nicht weit von der Grenze entfernt. Eigentlich wollten wir ja hinter der Grenze billig tanken, aber Dieter hat -wie so oft- das Tankglück zu lang ausgereizt, so dass wir noch auf finnischer Seite teuren Diesel  bunkern müssen.


Der Grenzübertritt - finnischer Grenzposten:  eine ca. 500m lange Warteschlange mit russischen Fahrzeugen, in die wir uns einreihen. Der freundliche Hintermann deutet an, wir sollten die Nebenspur, völlig frei, nutzen. Die sei für EU Reisende.  Gesagt, getan.  Stolz fahren wir an der Schlange vorbei, parken am Grenzhäuschen, zeigen Reisepässe, KFZ-Schein und FAN-ID und schwupps haben wir nach fünf Minuten Finnland verlassen.

Der Grenzübertritt - russischer Grenzposten 2 km weiter:   mehrspurig werden die Autos nach Ampelschaltung zum Grenzhäuschen vorgelassen. Stolz zeigen wir, als wir nach 15 Minuten an der Reihe sind, die Reisepässe, KFZ-Schein und FAN ID.  Sie ist nicht unfreundlich, unsere Grenzbeamtin, lächelt auch mal ab und zu, leider kommen wir nicht weiter. Immer wieder schaut sie sich die Dokumente an, tippt Daten in den Computer, die Nachbarbeamtin komm zu Hilfe, ein dritter Beamter gibt wertvolle Tipps. Mehrere Telefongespräche werden  geführt. Nun sind weitere 30 Minuten vergangen und es ist draußen lausig kalt und windig. 

Der nächste Schritt:  Bitte das Wohnmobil umsetzen, denn es blockiert die Spur.  (die finnischen Reisenden mit ihren PKW´s sind ruckzuck durchgeschleusst.  Wir sollen im Auto warten, bis die "Angelegenheit" geklärt ist.  Warten wir nun schon eine zusätzliche halbe Stunde oder länger?  Unser Erklärungsversuch:  der Computer kommt mit der FAN-ID, die ja das Visum ersetzt, nicht klar. Irgendwann erscheint ein richtig wichtiger Grenzbeamter   (in Uniform und schicker Mütze), händigt die Dokumente aus und erklärt, es ist alles in Ordnung, es kann weitergehen. 

Der nächste Schritt:  können wir nun weiterfahren?  Nein - natürlich nicht, denn 10 m weiter wartet ja der Zoll auf uns. Haben wir die Zollpapiere in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt?  Natürlich nicht, denn man hat uns keine Formulare gegeben. Also ausfüllen, was man so ausfüllen kann  ( Fiat, Ducato, ccm, PS, Fahrgest. Nr., noch einmal die Passnummer ... und Unterschrift).  Alles ist fertig, die Zollbeamtin im Zollhäuschen  tippt alles ein, kopiert, händigt die Papiere aus. Zurück zum Womo, auf den Zollbeamten warten, der das Fahrzeug kontrollieren wird. 

Der nächste Schritt:  können wir nun weiterfahren?    Nein - natürlich nicht, denn der  Zollbeamte  (wir nennen ihn "Herr Grimmig")  deutet emotionslos, Kaugummi kauend auf den Motorroller am Heck.  Haben wir die Zollpapiere in zweifacher Ausfertigung ausgefüllt?  Nein, natürlich nicht, denn wir haben es nicht gewusst.   Also ausfüllen, was man so ausfüllen kann  (Daelim, Model Otello, 125ccm, noch einmal die Reisepassnr... Unterschrift.)   Zurück zum Zollhäuschen, die Beamtin tippt erneut alles ein, kopiert und händigt uns die Dokumente aus.

Der letzte Schritt:  Herr Grimmig und eine junge Kollegin müssen das Fahrzeug kontrollieren! Beide steigen ins Wohnmobil, werfen ein Blick nach links, nach rechts - und dann war es das!  Kein Blick in die Schränke, kein Blick in den Kühlschrank, kein Blick in die Heckgarage - was hätten wir doch Wein und Sekt mitnehmen können.

Wir sind in Russland.     Noch 50km bis Vyborg.      St. Petersburg hätten wir heute eh nicht mehr geschafft.

Zweieinhalb Stunden hat die gesamte Prozedur gedauert.  Irgendwelche Reiseerleichterungen im Rahmen der Fußball WM haben wir uns anders vorgestellt, nerviger hätte es nicht sein können!

 

Добро пожаловать в Россию!    Herzlich Willkommen in Russland.

Wo sollen wir unser Nachtlager aufschlagen?  Gottseidank gibt es im Internet einige Reiseberichte, die uns helfen: das Hotel DrushbaГостиница Дружба  bietet einen bewachten Parkplatz.  Drei andere Womos stehen schon hier. Nun erst einmal ausruhen, alls sacken lassen ....Achja, was haben wir vorher noch gemacht?  Christina hat in einer Seitenstraße einen Bankomaten entdeckt - also erst einmal Rubel besorgen. Und gleich nebenan finden wir einen Handy-Laden. Eine Sim-Karte für den mobilen Router ermöglich uns den Zugang zum Internet ... und wir können den heutigen Bericht anfertigen.

Freitag, 8. Juni

Endlich in St. Petersburg!

Heute gibt es wenig Fotos. Obwohl St. Petersburg nur 130km von Vyborg entfernt ist, haben wir viel, viel Zeit im Womo verbracht. Aber der Reihe nach:

Habe ich gestern erwähnt, dass Christina eine neue Freundin gewonnen hat? Nun, aus dem finnischen Wohnmobil neben uns bemerkte eine Dame unser deutsches Kennzeichen und war so begeistert, dass sie spontan an der Wohnmobiltür stand und uns eine gute Reise (auf Englisch) wünschte. Richtig euphorisch war Miina (so ihr Name), so erfreut uns kennenzulernen, nur ihre glasigen Augen wirkten nicht ganz so frisch, vom Gangbild einmal abgesehen. Später fiel mir ein, dass ich in einem Reiseführer gelesen hatte, dass etliche Finnen den kurzen Weg nach Vyborg zu einem feucht-fröhlichen Wochenende nutzen, da hier die Getränke um Einiges günstiger sind als in der Heimat.   Naja ....

 Wir fahren noch einmal kurz zurück zu dem Handyladen, um Christinas Smartphone ebenfalls mit einer russischen Sim-Card zu bestücken. An der Tankstelle am Bahnhof füllen wir den Ducato mit russischem Diesel  ( 45 Rubel ~  60 Cent) und folgen für die nächsten 130 km dem Schild St. Petersburg.  Wir befinden uns nicht auf einer Autobahn, sondern auf einer zweispurigen Schnellstraße, die jedoch -so scheint es üblich zu sein- vierspurig genutzt wird; einfach mal den Seitenstreifen befahren, und die überholenden Fahrzeuge danken es mit einem kurzen Blinken der Warnblinkanlage.

St. Petersburg - die Stellplatzsuche!

Im Internet hatten wir von einem Parkplatz am "Kulturzentrum" gelesen, ca. zehn Mal führte uns das Navi um den Block herum, bis wir schließlich die schmale Einfahrt entdecken, ebenso das Schild, dass dieser Stellplatz nicht mehr existiert. ---- Naja, hat uns ja nur eine Stunde Zeit und wenig Nerven gekostet. Und nun die Alternative - Hotel Elizar etwa 10km  entfernt. Also schlängeln wir uns quer durch die Fünf-Millionenstadt, umrunden in Zielnähe mehrfach den Häuserblock, bis wir durch eine schmale Hofeinfahrt hindurch auf dieses Hotel mit Womo-Stellplatz gelangen.   Und da stehen wir nun - erschöpft, aber zufrieden in dem Wissen, dass wir hier sicher sind und nicht allzu weit entfernt vom Zentrum.

Während Dieter sich auf den Weg zur Rezeption macht, fotografiert Christina Mülltonnen ... und Menschen, die darin herumsuchen.

Eremitage & Newski Prospekt

Samstag, 9. Juni

 

Der Wecker klingelt früh.  Viel Zeit für ein Frühstück bleibt nicht, denn wir haben einen wichtigen Termin. Dieter hat schon zuhause über das Internet eine Führung durch die EREMITAGE gebucht. Treffpunkt ist die Alexandersäule  auf dem Schlossplatz um 9.40h.  Also fahren wir schon eine Stunde früher mit dem Roller los ... man weiß ja nie, wie der Verkehr so wird.  Und der Verkehr wird richtig gut ... dreispurig geht es entlang der NEWA ... gute 12 km müssen wir hinter uns bringen und uns hochkonzentriert auf die plötzlich einscherenden, rechts überholenden russischen Rennfahrer einzustellen. Dann endlich sind wir zeitig an der Schlossbrücke, suchen einen Parkplatz für den Roller und streben dem Schlossplatz mit der Alexandersäule zu. WoW!   Gewaltig in den Dimensionen!  Unsere deutschsprachige Gruppe besteht aus fünf Personen. Elena, unser Guide, stammt aus St. Petersburg, hat Germanistik  (Sprache, Literatur, Geschichte) studiert und etliche Jahre an der Universität gearbeitet. 

Warum von zuhause eine Führung gebucht?   Na - die Antwort versteht sich von selbst -   hilflos wären wir in dem Eremitage-Komplex.  Und, das Allerbeste - wir müssen uns nicht die  lange Warteschlange am Ticketoffice einreihen.

Winterpalast,  Neue Eremitage, Austellungen aller europäischen Meister, dazu Möbiliar, Porzellan, etc ....   Nach dreieinhalb Stunden  schwirrt uns der Kopf.

Mittlerweile ist es 14:00h, wir sind hungrig und durstig!  Mit dem Roller geht es zum Newski Prospekt, der Lebensader von St. Petersburg

In einer Nebenstraße gehen wir in ein Restaurant, das mit traditionellen russischen Gerichten wirbt. Mutig hinein!  Christina erfreut sich an einer Käsesuppe, anschließend Blini (Pfannkuchen mit einer Lachs / Schmand Füllung), Dieter bestellt "Koteletti", wusste aber vorher, dass dies  Frikadellen, Fleischklopse, sind, ganiert mit Linsen.  Alles lecker - wir kommen wieder!

Nach dem Restaurantbesuch entscheiden wir uns für einen Spaziergang entlang des Newski Prospektes, sehen zahlreiche historische Gebäude, das Stammhaus der Stroganoff Dynastie, das Literaturcafe´ "Wolf & Beringer" und erstehen im  " Дом  Книги", der Bücherei, einen Straßenatlas der RU.

Die Beine werden immer müde, aber auf dem Rückweg zum Wohnmobil soll noch eine weitere  Sehenswürdigkeit "abgehakt" werden. Wir fahren zurück zur Newa, wo der "Eherne Reiter" zu bestaunen ist, das Reiterstandbild zu Ehren von Peter dem Großen und Katharina II.   Schon imposant, und anscheinend ein beliebtes Motiv für Hochzeitspaare oder Marinekadetten.

Ikonen und Bootsfahrt

Sonntag, 10. Juni

Die anfänglichen morgendlichen Wolken lösen sich auf und es wird ein schöner, sommerlicher Tag. Hinzu kommt, dass heute am Sonntag der Verkehr etwas ruhiger ist und somit die Fahrt mit dem Roller stressfreier verläuft.

Wir haben uns wieder ein volles Programm vorgenommen, nur nicht ganz so früh wie gestern, denn wir müssen ja noch den beiden Jungs zum Geburtstag gratulieren. Es kann doch nicht sein, dass die Zwillinge schon 37 Jahre alt sind.

Mit dem Roller zum Newski Prospekt und zwar zum Ostrovskij-Platz. Hier steht in einer kleinen Parkanlage das mächtige Reiterstandbild Katharinas der Großen.  Etwas weiter entlang des Prospekt  stoßen wir auf den Fontanka-Kanal mit der Anitschkov-Brücke.  Beeindruckend sind hier die vier "Rossbändiger", Bronzestatuen von 1843.

Jetzt ist wieder Kultur angesagt: St. Isaaks-Kathedrale, eines der weiteren Wahrzeichen dieser Stadt.   Der mächtige Kuppelbau leuchtet schon von Weitem in den Sonnenhimmel. Die Kathedrale in Worten zu beschreiben bzw. in Bildern festzuhalten, ist fast unmöglich. Der Reiseführer schreibt, 400kg Gold, 1000t Bronze und 16t Malachit seien hier verbaut. 101,5m ist die Kuppel hoch mit einem Durchmesser von 26m.  Und natürlich besteigen wir die Kuppel nach einer ausführlichen Besichtigung der Kathedrale mit ihren Mosaiken und Ikonen.

Unweit des Isaaks-Platzes befinden sich zwei 5* Hotels, in denen stets VIP´s absteigen.  An der Aufzugtür in der Lobby des "Hotel Astoria" findet man Messingschilder mit den Namen manch prominenter Gäste. Von "Bon Jovi" über "Tina Turner, "Elton John" .... bis hin zu diversen Staatsmänner!  Wir sind nicht mit dem Aufzug gefahren, um den Anspruch auf ein Messingschild zu ergattern, nein, wir haben die Toiletten des Nobelhotels benutzt.

Früher Nachmittag - etwas Ausruhen ist angesagt.  Wir kann man das besser machen als bei einer Bootafahrt auf der Newa und durch die Kanäle?  Die Wahrzeichen St. Petersburgs mit etwas Distanz vom Wasser aus zu betrachten ist sehr zu empfehlen. Im Folgenden einige wenige Bilder der Bootsfahrt.

Noch ist der Besichtigungstag nicht zu Ende,  Christina hat die Auferstehungs-Kirche als weiteres Ziel auserkoren. Man nennt sie auch "Erlöserkirche auf dem Blut". Warum?  Sie befindet sich genau an der Stelle, an der Alexander II  im Jahr 1881 einem Attentat zum Opfer fiel. Hier ist noch das Straßenpflaster mit dem Blut des Zaren erhalten.  Auch in dieser Kirche wurde nicht mit Gold, Silber, Marmor und Edelsteinen gespart.

Nun noch zum Abschluss des Tages entlang diverser Souvenirstände, entlang der Fanmeile für das Public Viewing und schon finden wir am Kanal ein hübsches Restaurant, das sowohl italienische als auch russische Küche anbietet. Ein Thunfischtartar bzw. Lachsvariation als Vorspeise, Boeuf Stroganoff und Bliny mit rotem Kaviar - das klingt doch aufregend - oder? Und das russische Bier schmeckt ebenfalls

Der dritte Tag Sightseeing in St. Petersburg

 

Heute Morgen lassen wir es ruhig angehen.  Erst einmal schauen wir, wie  die italienische Reisegruppe (9 Womos) den Stellplatz verlässt.  Nach einem guten deutschen Müsli-Frühstück bringt uns der Roller auf der nun schon bekannten Strecke zu einem weiteren Höhepunkt eines jeden St. Petersburg Besuchs, der "Peter-Pauls"-Festung auf der größten Newa-Insel. Bevor man zur Festung kommt, passiert man zwei riesige Leuchttürme, die die Hafeneinfahrt markieren. Hier fing alles an - Im Jahr 1703 gründete Peter I., der Große, auf Sumpfgebiet das spätere St. Petersburg. 

 

Die Festung ist ein riesiger Komplex aus verschieden Gebäuden, Gefängnis, Münzhof und auch dem Bootshaus, in dem, so sagt man, das vom Zaren eigenhändig erbaute Boot zu besichtigen ist. Der eigentliche Höhepunkt der gesamten Anlage ist aber die Peter-Pauls-Kathedrale mit der Großfürstengruft. Zitat aus dem Prospekt: "Die Kathedrale wurde 1712 - 1833 ... errichtet. Der Glockenturm der Kathedrale ist das höchste (Höhe  122,5m) Bauwerk der Stadt, seine Spitze ist mit dem Kreuz mit Engelsstandbild bekrönt.  Im Laufe des 18. - 20. Jahrhunderts fanden hier fast alle russischen Kaiser  und Kaiserinnen ihre letzte Ruhe."

Oben auf den Außenmauern der Festung bietet sich ein schöner Blick auf das gegenüber liegen Ufer mit Eremitage und der Kuppel der St. Isaaks-Kathedrale.

Was findet man ebenfalls in der Festung?  Eine kleine Fotoausstellung über "unseren Präsidenten". Ein Sportsmann, wie er im Buche steht!

Nun ist es schon früher Nachmittag - zurück zum Newski-Prospekt, denn hier findet heute ein traditioneller Blumen-Corso statt.  "Международный Фестиваль Цветы"  "Internationales Festival der Blumen". Kunstvoll gestaltete Wagen, diverse Militärkapellen, Fußgruppen und auch eine bayerische sowie schottische Blaskapelle marschieren den Newski-Prospekt hinunter. Schon beeindruckend!

Der Magen knurrt, aber erst müssen wir noch einkaufen, denn der Kühlschrank ist fast leer. Am oberen Ende des Newski-Prospekts befindet sich das Kaufhaus "Stockmann"  (kennen wir schon aus Helsinki), wo es die erlesensten Delikatessen zu kaufen gibt.

Wo und was wollen wir essen?   Genau da, wo es uns gestern so ausgesprochen gut gefallen hat, im Restaurant "Park", unweit der Erlöserkirche.

 

Zurück am Stellplatz genießen wir wieder das Gläschen Aperol  mit den letzten Sonnenstrahlen.  Dieter schafft es gerade noch rechtzeitig vor dem ausgiebigen Gewitter  den Roller auf der Bühne zu verzurren, wir verkriechen uns ins Innere und lassen das heute Erlebte noch einmal Revue passieren.


Übernachtung:    Hotel Elizar